Ein Kind der Soester Börde!

Mein großer Bruder Friederich und ich
Bereits in jungen Jahren aktiv im Schützenverein

Die Geschichte meiner Familie ist fest mit der Soester Börde verbunden. Urkunden wie das Bördekataster weisen bis ins 17. Jahrhundert, Hand- und Spanndienste wurden bis ins 19. Jahrhundert an die Hohne Kirche in Soest geleistet, Söhne des Hofes waren erste Arbeitskräfte im beginnenden Bergbau. Für mich ist es wichtig zu wissen, wo die eigenen Wurzeln liegen. So spielt die Familie in meinem Leben eine große Rolle. Mein Vater, er starb als ich noch keine zwei Jahre alt war, war als Bürgermeisterkandidat im Gespräch – für die CDU. Viele andere in der Familie waren eher konservativ. Wieder andere waren überzeugte Sozialdemokraten. So ergaben sich zwangsläufig spannende, diskussionintensive und auch lehrreiche Familientreffen. Von der Kommunalpolitik über die Feuerwehr bis zur Landwirtschaft und die Schule wurde kein Thema ausgelassen. Früh fing ich an, meine Meinung dazu zu sagen. Nicht alle fanden das gut. Aber: Anderen nach dem Mund zu reden war noch nie meine Sache!
Der Eintritt in das „Leben der Erwachsenen“ musste erarbeitet werden! Ob bei der Ernte, auf dem Rübenacker oder beim Anstrich des – nicht gerade kleinen – heimischen Fachwerkhauses in den Ferien. Der Begriff „Leistung“ bekommt da eine sehr konkrete und erfahrbare Bedeutung. Von nun an wurde meine Meinung, auch die politische, ernst genommen.
Die ersten 20 Jahre meines Lebens war ich „mithelfender Familienangehöriger.“ Solange bis wir den Betrieb – wie viele andere in der Zeit auch – aufgeben mussten. Bei der damaligen Landwirtschaftspolitik unter dem Motto „Wachse oder weiche!“ konnten wir nicht mehr mithalten. Die Leistung einer alleinerziehenden Mutter mit einem Bauernhof und zwei Söhnen, die Abhänggkeit von fremder Hilfe – diese Erfahrung prägte mich. Wie wichtig es ist, sich auf andere wirklich verlassen zu können, das habe ich erfahren. Jedem kann es passieren in eine Notlage zu geraten. Und jeder soll dann die Chance und die Hilfe bekommen, um sich aus dieser Notlage zu befreien.

Mit meinem Sohn Robin bei der Gartenarbeit

Gerechtigkeit ist mehr! Gerechtigkeit ist eine Frage der Haltung!


Die Pflicht zur Mitmenschlichkeit ist Grundlage meiner politischen Grundhaltung.
Ungerechtigkeit und ungerechtes Verhalten – das konnte ich noch nie leiden. Es empört mich, wenn Stärkere den vermeintlich Schwächeren ihren Willen aufzwingen wollen. Durch meine Arbeit im Betriebsrat, in der Gewerkschaft und in anderen Vertretungsorganen versuche ich ein Stück mehr Gerechtigkeit, ein wenig mehr gerechte Welt zu schaffen. Auch wenn mir das nicht immer 100prozentig gelingt, aufgeben geht nicht.

Auf dem Weg in die Politik


Ich habe als junger Mensch ältere Menschen kennen gelernt, die aktiv im Widerstand gegen den Nationalsozialismus gearbeitet haben, die ins Exil gehen mussten und dort Pläne für ein demokratisches Deutschland entworfen und ihren Platz in der Sozialdemokratie gefunden haben. Mit diesen alten und überzeugten Demokraten durch Schulen zu ziehen, um zu informieren und mit Schülerinnen und Schülern zu diskutieren war eine wichtige Erfahrung. Diese Genossinnen und Genossen haben mit ihrem Beispiel gezeigt, dass man von einer Sache überzeugt sein muss, um sie richtig und glaubwürdig vertreten zu können.


Ehrenamt und Politik gehören zusammen!


Die Eigenverantwortung stärken. Die Menschen befähigen, ihre Dinge selber zu regeln. Fordern und Fördern auf gleicher Augenhöhe. Auch das macht den unlösbaren Zusammenhang von Ehrenamt und Politik aus.
Besonders deutlich machte mir das ein ehrenamtlicher Betreuer in der evangelischen Jugendarbeit. Sein Credo: Übernehmt Verantwortung! Wehrt euch, wenn es wichtig ist. Aber achtet auf den Nächsten!
Erst später erfuhr ich, dass dieser Mann Sozialdemokrat war. Aber da wunderte mich das nicht mehr. Ich war doch gedanklich fast schon dort angekommen. Über die Schülerarbeit und die Jugendarbeit, die Kommunalpolitik und die Bildungspolitik der SPD kam ich zur SPD. Ohne diese Bildungspolitik der SPD wäre es mir, wie vielen anderen auch, unmöglich gewesen ein Abitur zu machen oder ein Studium zu beginnen.
Die ehrenamtliche Tätigkeit hat seitdem immer eine wichtige Rolle in meinem Leben gespielt: In der Schülervertretung, als Betriebsratsvorsitzender oder auch als Vorsitzender des DRK und der Schulpflegschaft in Bad Sassendorf.

Das Motto der Konservativen und Liberalen „jeder denke an sich selbst, dann ist an jeden gedacht“ führt in die Irre. Ganz im Gegenteil: Es ist wichtig, dass die Menschen an die Anderen denken und etwas füreinander tun. Und gerade diejenigen, die ein politisches Amt ausüben, sollten ehrenamtlich tätig sein.
Das Ehrenamt gehört zu dem Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält.

Ohne kommunale Politik geht nichts!


Haben die Kinder in unserer Stadt sichere Schulwege? Sind die Sportvereine vor Ort mit genügend Platz und Gerätschaften für ihre Angebote ausgestattet? Funktioniert das Senioren-Cafe tatsächlich?
Gute kommunale Politik kümmert sich um solche Fragen. Hier vor Ort kann vieles besser miteinander organisiert und erreicht werden als durch große staatliche Behörden. Deshalb ist es für mich auch als Bundespolitiker wichtig, die kommunale Politik zu unterstützen und zu sichern.
Ein wichtiges Erlebnis für mich, bei dem Kommunalpolitik Landes- und Bundespolitik traf, war die 800-Jahr-Feier der Gemeinde Welver. In der Börde-Halle hielt Johannes Rau die Festrede. Kurz. Und ging dann zu den Leuten an den Tresen. Sprach lange mit Ihnen. Und ich durfte dabei sein! Gerade mal in die SPD eingetreten.
Was mich hier beeindruckt hat, war die Selbstver-ständlichkeit, mit der so ein wichtiger Politiker persönlich mit anderen Menschen umging. Das habe ich so bei kaum einem anderen „hohen Politiker“ wieder erlebt. Wenn Johannes Rau viel später hervorhob, dass alle Menschen gebraucht werden, dass niemand übrig ist – gerade auch in der SPD - dann war das seine überzeugende Grundhaltung – und auch meine. Nah bei den Menschen sein, zuhören und aufnehmen können, das sollten alle tun, die politisch tätig sind.